Aufgenommen wurde ich gut
in Schönfels. Von Lehrern und Schülern. Besonders von den Schülerinnen.
Was ich anfangs falsch gemacht habe das waren vor allem drei Dinge:
1. Ich habe zu viel geredet,
2. Ich hatte zu viel Vertrauen in die Selbstheilungskräfte von
vermeintlich lernwilligen Schülern und
3. Ich habe völlig vergessen, mir die Geburtstage der mir Anvertrauten
zu merken.
Die erste
Katastrophe die mich ereilte war, dass ich mal schnell in einer fünften
Klasse die Mathematiklehrerin vertreten musste, die just krank geworden
war. Ich hatte die einfache "Punkt-Rechnung geht vor Strich-Rechnung
Regel" vergessen und kam deshalb immer auf andere Ergebnisse als die
Schüler.
Und dann habe ich
erst viel später begriffen, was bei meiner ersten Klasse als
Klassenlehrer schief gegangen
war. Irgendwie war diese Truppe vergesslicher, ein wenig fauler und in
den Leistungen schwächer. Kraft meiner Person habe ich ihnen gezeigt,
wer der Herr im Haus ist und ordentlich Druck gemacht. Mit mehr
Hausaufgaben, Strafarbeiten, Freundlichkeitsentzug und ähnlichem Unsinn.
Genutzt hat das alles nichts. Im Gegenteil. Ich hatte die wichtigste
Regel noch nicht verstanden: Arbeit mit deinen Schülern, nie gegen sie.
Die haben nämlich auch manchmal recht.
Besonders in
Erinnerung geblieben sind mir neben vielen anderen Mario Taut und
Carina Martin. Beide haben mir mit ihren kritischen Äußerungen geholfen,
nachzudenken über mich und meine Art.
Mario zeigte sich geradezu als Gegner. Aber er war geprägt von einem
unerbittlichen Gerechtigkeitssinn. Das war nicht immer richtig, aber er
stritt sich auch für Klassenkameraden. Ich habe ihm nie gesagt, wie
ernst ich ihn eigentlich genommen habe und wie viel ich von ihm gelernt
habe. Eigentlich auch falsch. Ich hätte es tun sollen. Aber vielleicht
lag das eben auch an Mario. Wer weiß das schon genau.
Carina war anders,
aber auch sie hatte den Mut, mir zu sagen, was sie als kritikwürdig
empfand. Und es war immer gut. Bei beiden und auch den anderen, die mir
geholfen habe, bedanke ich mich. Sie haben mir zu verstehen
gegeben, wie
ein Lehrer sein könnte.
Besonders in
Erinnerung ist mir auch Folgendes geblieben: M. (Adoptivsohn des
Bürgermeisters X.) war leicht verhaltensgestört. Nicht nur, dass er sein
Geschlechtsteil ab und zu im Hort herumzeigte, störte er durch
Nichtbefolgen von Regeln auch den Sportunterricht. Ständig! Dabei war er
aber nicht bösartig. Er hatte sich nur nicht richtig unter Kontrolle.
Einmal, der Unterricht war bereits beendet, sprang er aus lauter Lust
über einen Doppelbock. Dieses Gerät war bereits für die nächste Klasse
eingestellt und zu hoch für ihn. Aus den Augenwinkeln, denn ich war
bereits beim Gehen, sah ich seinen Anlauf, seinen Absprung und das
Hängen bleiben ...
Irgendwie schaffte ich es, ihn vor einem bösen Sturz noch abzufangen.
Ich war so erschrocken und gleichzeitig wütend, dass ich ihm eine
geklebt habe. Na - das Theater danach war nicht von schlechten Eltern.
Aber M. hatte es begriffen und ich glaube noch heute daran, dass er es
mir nicht wirklich übel nahm.
Egal, was ich falsch
gemacht habe, ich halte mir zugute, dass ich (das hat so an die zehn
Jahre gebraucht) versucht habe, folgende Standpunkt einzunehmen:
● Arbeite mit den Schülern und nicht gegen sie
●
Akzeptiere sie als Persönlichkeiten
● Lerne von ihren Kritiken und ändere deine eigene Art
● Versuche, ständig etwas hinzu zu lernen, was dir im Studium nicht
beigebracht wurde
Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, das hätte alles richtig
funktioniert. Aber ich habe es wenigstens versucht. Und der Abschied von
meiner letzten Klasse, der ist mir schon schwer gefallen. Die waren alle
bombig.
"Meine Kinder -
manchmal vermisse ich euch und habe ein wenig Sehnsucht!" |