Also, mit mir, das
war so ...
Als ich anlässlich einer Aufzeichnung des DDR-Sport-Fernsehens an
unserer Schule gefragt wurde, was ich denn mal so werden möchte, da fiel
mir nichts besseres ein als zu sagen: "Lehrer". Ich sprang da als
Übungsleiter für jüngere Schüler umher.
Anderen zu zeigen,
wie es besser geht, na das war ja etwas. Außerdem - aber das habe ich
erst später festgestellt - irgendwie waren einige meiner Altvorderen
immer Lehrer gewesen. Da war Onkel Kurt, mein Großvater nebst Frau waren
Tanzlehrer, meine Mutter als Tanzpädagogin, meine Schwester Freya ist
heute noch Lehrerin, mein Vater wollte es werden, durfte es aber
aufgrund seiner SS-Zugehörigkeit nicht ...
Im Rückblick
behaupte ich: Dafür geboren ... (Ob das aber stimmt? Das können nur
meine Schüler beurteilen.)
Ich war geprägt von
der politischen Erziehung in der DDR.
Auch mein Vater, als
Jugendlicher durch die Erziehung während der Hitler-Herrschaft geprägt,
nach dem Krieg in einem langwierigen Prozess vernünftig geworden, konnte
mir das System nicht ausreden. Obwohl er das System sehr realistisch
einschätzte, brachten ihn die Genossen kurz vor Ende seines Lebensweges
dazu, Informant der Stasi zu werden. Ich wusste es nicht; nur meine
Mutter erklärte mir später seine Gewissensnot - er erhoffte sich für uns
Kinder die Möglichkeit des Studiums. Vielleicht hat das auch zu seinem
Herzinfarkt beigetragen.
Nein, ich wollte
unbedingt "Pionier" werden. Ich habe an das Gute und Schöne, an das
Friedfertige geglaubt. Dass "Pioniere" mit "Pimpfen" und "Hitler-Jugend"
mit "FDJ" (Freie Deutsche Jugend) gleichgesetzt werden konnten, das habe
ich erst spät verstanden. Die Strukturen und politischen Ambitionen,
nämlich "Gleichschaltung", waren leider gleich.
Um es anders zu
sagen: Es hat eine Weile gedauert, bis ich an diesem System gezweifelt
und es dann kritisiert habe. Ich war gern Lehrer, aber ich war es nicht
im so genannten System der "Volksbildung". Am Anfang nur in Teilen, zum
Schluss völlig. Ausreiseantrag in die Bundesrepublik Deutschland ...
Ausweisung ...
Da war so ein
Vorsitzender von Kreischef, dessen Namen ich vergessen habe. Der berief
mich während meiner Lehrerzeit dreimal zu sich und fragte, ob ich nicht
meinen Doktor oder meinen Hochschullehrer oder auch die Qualifikation
als Direktor machen möchte.
Ja, natürlich, ich
war angenehm berührt von diesem Lob. Aber immer stand am Ende die Frage:
"Was würden Sie sagen, wenn Sie jemand fragt, ob Sie in die Partei (SED
- Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) eintreten würden?"
Kein "Willst du oder nicht? - sondern dieses Hintertückische, sich auf
nichts Festlegendes "Was wäre wenn ..."
Als ich beim zweiten
Mal meinte, ich sei durchaus bereit, aber ich wolle sicherstellen, dass
ich auch etwas bewegen, verändern, kritisieren könne, da meinte der
Parteimeister großzügig: "Herr Kober, die Zeit der Revoluzzer ist
vorbei."
Darum bat ich nach
dem dritten Mal, mich nicht weiter zu befragen. Karriere durch Partei
wollte ich nicht.
Wie einfach man
empor klettern konnte auf der DDR-Leiter, das hat ein anderer Kollege vorgemacht.
"Vom Tellerwäscher zum stellvertretenden Direktor", meinte mal jemand.
Dass er ein Abkommen mit der Staatssicherheit hatte, dass habe ich nie
schwarz auf weiß gesehen, aber manche schwören darauf. Dass mein
Schreibtisch ab und zu einer Kontrolle unterzogen wurde, na, das hab ich
leicht feststellen können, aber wer das gewesen ist, habe ich nicht
erforscht.
Unter dem Einfluss
anderer Ausreisender aus meiner Bekanntschaft habe ich mich dann
entschlossen, diesen Staat zu verlassen. Ich glaubte klug vorzugehen,
wenn ich mir die Möglichkeit organisierte, legal in den "Westen" zu
gelangen - um dann einfach dort zu bleiben.
Also beschaffte ich
mir eine Einladung des Bürgermeisters der Stadt Friedrichsdorf/Ts. zu
einer Buchlesung, denn ich war ja inzwischen Autor geworden. Die
Einladung kam, alle stimmten meinem Ansinnen zu - es abzulehnen hätte
gegen alle möglichen offiziell verkündeten Konventionen verstoßen - aber
ich erhielt die Ausreisegenehmigung nicht.
Man hat mich am
langen Arm regelrecht verhungern lassen. Es gab einfach keine Auskunft,
keine Genehmigung, keine Möglichkeit. Schweigen. Zwei Tage zuvor habe
ich Friedrichsdorf gefaxt, ich könne nicht kommen.
Die Zeit als
Mitarbeiter im Landratsamt Zwickau ab 1992 ist wieder ein ganz anderes
Kapitel. Aber merkwürdig - so richtig haben sich die Menschen nicht
geändert, obwohl die meisten von ihn 1989 angetreten waren, alles besser
zu machen. |