Rueckblick
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Ich und das Kollegium
Ich und die Schüler
Ich und meine Meinung über Lehrer (Thesen)

Der Ausverkauf

 
Rückblick auf die Zeit in der DDR

Setzen wir meinen Lieblingswitz an den Anfang:
Anfrage: "Können auch Hunde Lehrer werden?" Antwort: "Im Prinzip nein. Es sei denn, es sind ganz dumme ..."
Aber es gibt auch noch einen anderen Spruch, den ich sehr schätze:
Ein Lehrer, der nicht von seinen Schülern lernt, versagt in seinem Beruf. Aber auch das stimmt: Der Lehrer hat vormittags Recht und nachmittags frei.

Ich hab mir sagen lassen, einige wären ganz schön verschnupft gewesen, nach dem Lesen hier. Nein, das stört mich nicht sonderlich. Ich weiß um meine Fehler - und muss Meinungen ebenso einstecken. Und was ist schon schlimm daran, wenn man seine Sicht auf andere schildert?


Also, mit mir, das war so ...
Als ich anlässlich einer Aufzeichnung des DDR-Sport-Fernsehens an unserer Schule gefragt wurde, was ich denn mal so werden möchte, da fiel mir nichts besseres ein als zu sagen: "Lehrer". Ich sprang da als Übungsleiter für jüngere Schüler umher.

Anderen zu zeigen, wie es besser geht, na das war ja etwas.  Außerdem - aber das habe ich erst später festgestellt  -  irgendwie waren einige meiner Altvorderen immer Lehrer gewesen. Da war Onkel Kurt, mein Großvater nebst Frau waren Tanzlehrer, meine Mutter als Tanzpädagogin, meine Schwester Freya ist heute noch Lehrerin, mein Vater wollte es werden, durfte es aber aufgrund seiner SS-Zugehörigkeit nicht ...

Im Rückblick behaupte ich: Dafür geboren ... (Ob das aber stimmt? Das können nur meine Schüler beurteilen.)

Ich war geprägt von der politischen Erziehung in der DDR.

Auch mein Vater, als Jugendlicher durch die Erziehung während der Hitler-Herrschaft geprägt, nach dem Krieg in einem langwierigen Prozess vernünftig geworden, konnte mir das System nicht ausreden. Obwohl er das System sehr realistisch einschätzte, brachten ihn die Genossen kurz vor Ende seines Lebensweges dazu, Informant der Stasi zu werden. Ich wusste es nicht; nur meine Mutter erklärte mir später seine Gewissensnot - er erhoffte sich für uns Kinder die Möglichkeit des Studiums. Vielleicht hat das auch zu seinem Herzinfarkt beigetragen.

Nein, ich wollte unbedingt "Pionier" werden. Ich habe an das Gute und Schöne, an das  Friedfertige geglaubt. Dass "Pioniere" mit "Pimpfen" und "Hitler-Jugend" mit "FDJ" (Freie Deutsche Jugend) gleichgesetzt werden konnten, das habe ich erst spät verstanden. Die Strukturen und politischen Ambitionen, nämlich "Gleichschaltung", waren leider gleich.

Um es anders zu sagen: Es hat eine Weile gedauert, bis ich an diesem System gezweifelt und es dann kritisiert habe. Ich war gern Lehrer, aber ich war es nicht im so genannten System der "Volksbildung". Am Anfang nur in Teilen, zum Schluss völlig. Ausreiseantrag in die Bundesrepublik Deutschland ... Ausweisung ...

Da war so ein Vorsitzender von Kreischef, dessen Namen ich vergessen habe. Der berief mich während meiner Lehrerzeit dreimal zu sich und fragte, ob ich nicht meinen Doktor oder meinen Hochschullehrer oder auch die Qualifikation als Direktor machen möchte.

Ja, natürlich, ich war angenehm berührt von diesem Lob. Aber immer stand am Ende die Frage: "Was würden Sie sagen, wenn Sie jemand fragt, ob Sie in die Partei (SED - Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) eintreten würden?"
Kein "Willst du oder nicht? - sondern dieses Hintertückische, sich auf nichts Festlegendes "Was wäre wenn ..."

Als ich beim zweiten Mal meinte, ich sei durchaus bereit, aber ich wolle sicherstellen, dass ich auch etwas bewegen, verändern, kritisieren könne, da meinte der Parteimeister großzügig: "Herr Kober, die Zeit der Revoluzzer ist vorbei."

Darum bat ich nach dem dritten Mal, mich nicht weiter zu befragen. Karriere durch Partei wollte ich nicht.

Wie einfach man empor klettern konnte auf der DDR-Leiter, das hat ein anderer Kollege vorgemacht. "Vom Tellerwäscher zum stellvertretenden Direktor", meinte mal jemand. Dass er ein Abkommen mit der Staatssicherheit hatte, dass habe ich nie schwarz auf weiß gesehen, aber manche schwören darauf. Dass mein Schreibtisch ab und zu einer Kontrolle unterzogen wurde, na, das hab ich leicht feststellen können, aber wer das gewesen ist, habe ich nicht erforscht.

Unter dem Einfluss anderer Ausreisender aus meiner Bekanntschaft habe ich mich dann entschlossen, diesen Staat zu verlassen. Ich glaubte klug vorzugehen, wenn ich mir die Möglichkeit organisierte, legal in den "Westen" zu gelangen - um dann einfach dort zu bleiben.

Also beschaffte ich mir eine Einladung des Bürgermeisters der Stadt Friedrichsdorf/Ts. zu einer Buchlesung, denn ich war ja inzwischen Autor geworden. Die Einladung kam, alle stimmten meinem Ansinnen zu - es abzulehnen hätte gegen alle möglichen offiziell verkündeten Konventionen verstoßen - aber ich erhielt die Ausreisegenehmigung nicht.

Man hat mich am  langen Arm regelrecht verhungern lassen. Es gab einfach keine Auskunft, keine Genehmigung, keine Möglichkeit. Schweigen. Zwei Tage zuvor habe ich Friedrichsdorf gefaxt, ich könne nicht kommen.

Die Zeit als Mitarbeiter im Landratsamt Zwickau ab 1992 ist wieder ein ganz anderes Kapitel. Aber merkwürdig - so richtig haben sich die Menschen nicht geändert, obwohl die meisten von ihn 1989 angetreten waren, alles besser zu machen.

 

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