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Wie ich
Wurst machte wollte ... (1979)
Meine Frau ist gebürtige Bulgarin.
Schwiegermutter Latinka überraschte uns anlässlich eines Urlaubes einmal mit
selbst gemachter Wurst. Das war kindereinfach: Schweinemett mit Gewürzen,
durch einen Fleischwolf mit Füllstutzen in feinen Schweinedarm gefüllt,
platt geklopft und dann trocken lassen. Ohne räuchern.
Die Wurst (vor allem durch die
exklusive Gewürzmischung) schmeckte so vorzüglich, dass ich kurzerhand
beschloss, das Ganze nachzuahmen.
Gesagt - getan. Ich marschierte zu
meinem Stammfleischer und verkündete ihm, dass ich Schweinedarm für Wurst
benötigte.
"Habe ich nicht", meinte der. "Aber
mein Geselle, der arbeitet oft auf dem Schlachthof. Frag den mal. Der wird
dir schon was organisieren."
Ich fragte. "Kannst du bekommen.
Kostet nichts. Aber ich will eine Flasche Wodka."
Ich schwenkte zum Laden an der Ecke
und kaufte Wodka. Drei Wochen später drückte er mir ein kleines Paket in die
Hand. Da war der geklaute Darm drin. Ich deponierte alles erst einmal im
Tiefkühlfach, weil ich ja noch keinen Wurstteig hatte. Irgendwann in der
nächsten Zeit gab es mal eine Stromunterbrechung und alles taute ein wenig
auf, um dann wieder eingefroren zu werden.
Eines Tages mixte ich dann zwei
Kilo Schweinemett mit Gewürzen und taute die Därme auf.
Etwas war komisch. Erst einmal war
der Darm nicht so fein und schlank wie der in Bulgarien. Der war ordentlich
groß wie für dicke Salami - mein Fleischwolf mit Stutzen war daher wertlos.
Sah halt auch komisch aus, das Geklitsche.
Und dann roch das auch merkwürdig. Bis ich feststellte, dass der Darm, den
ich nun schon zwei Monate bei mir gelagert hatte, gar nicht gesäubert war.
Das sollte nun meine Aufgabe sein.
Mit geschlossener Nase und voller
Tapferkeit werkelte ich am Waschbecken, um Hygiene in das Ganze zu bringen.
Die groben Exkremente ließen sich nur schwer entfernen und der Geruch, der
verflog auch nicht.
Um das Ganze professionell zu
gestalten, habe ich die Därme dann kurzerhand in die Waschmaschine geworfen
und zweimal, jeweils gewendet, gewaschen.
Das Ergebnis war so
niederschmetternd, dass nicht einmal ein Hund das Produkt auch nur aus der
Ferne beschnuppert hätte. Ich habe meine Därme vernichtet und aus dem
Wurstteig Klopse und ähnliches gemacht. Wir haben lange daran gegessen.
Aber ich weiß - irgendwann werde
ich dieses Projekt wieder aufnehmen, obwohl mir der Geruch noch heute
gegenwärtig ist.
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