Wie ich einen Seifenhalter
anbringen wollte - 1971
Während des Studiums wohnte ich mit meiner Exverlobten gemeinsam in
einer Wohnung. Wohnung ist eine bescheidene Bezeichnung. Aber für
Studenten ... Zimmer und Küche und ein Keller. Korridor und die
fensterlose Toilette teilten wir uns mir einer griesgrämigen Alten, die
quasi mit in der Wohnung lebte und auch Zimmer und Küche hatte. Als sie
starb ist Ilona da hineingezogen. Wir waren ja nicht immer verlobt. Das
war also unser Quartier in der Kastanienallee 10 auf dem Prenzlauer
Berg, nur ein paar Schritte von der "Mauer" entfernt.
Um das Ganze ein wenig zu modernisieren, hatte ich einen
magnetischen Seifenhalter für die Küche gekauft. Den konnte man an die
Wand kleben oder aber anschrauben. Ich entschied mich für Hammer und
Nagel.
Wir hatten just Besuch. Mücke und ihr Freund waren da.
Der Freund arbeitete bei der Eisenbahn und war groß, breit und kräftig.
Wie er meine Versuche, den Nagel mit dem Hämmerchen in
die Wand zu treiben um ein Loch vorzubereiten, damit der Seifenhalter ja
auch hält, betrachtete, hielt er es nicht lange aus. Irgendwie ging der
Nagel nicht in die Wand.
"Gib mal her!" Schwupps war ich die Instrumente los.
Er holte aus und - ebenso schwupps - war der Nagel in der Wand
verschwunden. Ich schämte mich.
"Oh ..." sagte er. "Was ist denn das?"
Ein schmales Rinnsal aus Wasser lief um den Nagelkopf
herum und an der Wand hinunter.
Um das genauer zu prüfen, schaute er sich die Sache
näher an und zog den Nagel aus der Wand. Das hätte er besser nicht tun
sollen. Nicht, weil ich mich kurz kaputtlachte, als sein Auge von einem
ordentlichen Wasserstrahl getroffen wurde, sondern weil wir der
aufgebohrten Wasserleitung jetzt freien Lauf gegeben hatten. Damals war
das noch ordentliches Bleirohr.
Es half nun weder mit der Hand dagegen pressen oder
nur mit dem Zeigefinger. Auch der Nagel tat es nicht mehr. Und ich
konnte das Wasser nicht abstellen. Der Hahn befand sich im Keller. Und
dazu hatte ich keinen Schlüssel, weil mein Keller im Quergebäude
untergebracht war. Die Nachbarin war nicht da, über uns auch niemand -
ich musste über den Hof ins Vordergebäude zur Hausverwalterin. Eine
nette Frau ... aber bis die mit mir in den Keller gewackelt war.
Der Kerl von Mücke stand noch da und presste sich mit
seiner Kraft gegen das Wasser. Aber viel geholfen hat es nicht. Als wir
abgestellt hatten, suchte er fluchtartig das Weite. Ich habe ihn nie
wieder gesehen.
Die Räume unter uns haben ordentlich Feuchte
abbekommen. Na, das ist dann wieder getrocknet und über die Flecken hat
die Raumbesitzerin großzügig hinweggesehen. Es waren kaum mehr genutzte
Werkstatträume.
Weil ja nun im ganzen Haus kein Wasser mehr lief, habe
ich versucht, das Loch mit Hilfe eines Lötkolbens zu schließen. Aber das
war eine völlig vergebliche Mühe. Das hat dann ein richtiger Handwerker
getan und mir zu unserem Treffer gratuliert. Ich habe den Halter dann
angeklebt obwohl ich inzwischen genau wusste, wo keine Wasserleitung
lag.
Ilona schuldet mir von damals noch Geld, aber
ich werde es nicht mehr bekommen. Sie hat sich den Sensenmann selbst
gerufen. Ich weiß nicht warum. |