Der Schläger
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Es muss so um 1980 herum gewesen sein ...

Sportunterricht kann nervig sein. Die Kleinen in den unteren Klassen lassen sich zwar von den Befehlen eines Sportlehrers durchaus beeindrucken, aber der naturgegebene Bewegungsdrang führt schon mal zu Abweichungen.

Da gab es ein besonderes Exemplar an Jungen, der älter und größer war als seine Klassenkameraden. Manchmal hyperaktiv. Nicht immer natürlich und meist mit einem freundlichen Lächeln. Auch, wenn er ganz was anderes tat, als man ihm aufgetragen hatte. Ein - wie sagt man - schwieriger Bursche, der mir zwar ab und zu Schwierigkeiten machte, das aber nicht ernst und böse und vorsätzlich meinte. Und darum war er im Grunde auch nicht schwierig. Man musste nur eine besonderes Auge auf ihn werfen.

Einmal hat er mich etwas mehr genervt als üblich. Aber wozu ist man Pädagoge um das nicht zu kompensieren, wenn man eben weiß, dass das nicht persönlich gemeint war? Die Klasse hatte den Sportunterricht beendet und die Schüler zogen sich in der Turnhalle um. Halle und Schule waren getrennt, draußen war es kalt, da wurde das notwendig. Umkleideräume gab es nicht.

Ich baute für die nachfolgende Klasse Geräte auf, darunter auch einen Bock mit einer Höhe von 1,50 Meter.

Man ahnt jetzt vielleicht schon, was passierte. Ja, mein Jens, den Turnbeutel in der Hand, nahm sich ein Herz und raste los um den Bock zu bezwingen.

Mein Herz hingegen blieb stehen. Wie ich es geschafft habe, den kopfüber stürzenden Jungen noch abzufangen und vor seinem Genickbruch zu retten, weiß ich nicht mehr. Aber ich habe ihm im Affekt gleich ordentlich eine gescheuert. Das war mein Dankeschön, dass ich keinen Verletzten zu beklagen hatte.

Nun - ich hatte zwar Jens gerettet, mich jedoch von einer Sekunde zur anderen in die Niederungen menschlichen Verhaltens begeben. Aber, wenn ich ehrlich bin, für diesen Bruchteil einer Sekunde, da hat es mir gut getan. Emotional jedenfalls. Weil ich wirklich erleichtert war. Die Vernunft will ich hier mal weglassen. Es braucht mir auch niemand zu erklären, wie verwerflich körperliche Züchtigung ist.

Jens hat es mir wohl (hoffe ich) nicht krumm genommen. Ich denke eher, dass er mich verstanden hat.

Da gab es nur ein kleines Problem: Es war der Junge vom Bürgermeister ...

Den Rest kann sich jeder ausmalen ...