Mathematikstory
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Die Mathestory

 

In Mathe war ich nicht der Hellste und auch heute noch fällt mir das Rechnen mit dem Taschenrechner schwer. Nur wenn bei drei Versuchen zweimal das gleiche Ergebnis erscheint, kann ich mir wahrscheinlich sicher sein. Diese Eigenschaft traf mehrheitlich auch für Physik und Chemie zu. Heute braucht man das ja nicht mehr, heute steht man mit beiden Beinen im Leben. Ansonsten habe ich, soweit nur irgend möglich, sowieso alles von meinen Nachbarn abgeschrieben.

Im Gymnasium (damals EOS) kann ich mir zwei Dinge zugute halten: Erstens - mein Lehrer, ein ruhiger, ausgezeichneter Mathematiker hat, soweit ich weiß, nur einmal kurz aber laut die Beherrschung verloren. Das war bei mir. Und zweitens - das schriftliche Abitur habe ich mit einer Zwei geschafft. Ich wusste zwar nicht, was ich rechnete, aber das meiste war wohl richtig. Das lag am brüllenden Lehrer, bei dem wir alles wie im Schlaf machten.

Das Unglück jedoch wollte es, dass, als ich in Schönfels als Lehrer zu unterrichten begann, die Mathelehrerin krank geworden war. Sie wussten nicht was sie taten und übergaben mir für ein halbes Jahr eine Klasse 5.

Dann kamen wir an einen Punkt, an dem die Schüler mehrheitlich zu anderen Ergebnissen kamen als ich.

Das hat mich schon gewundert, aber anfangs nicht weiter gestört. Schließlich stand ich als Autorität in der Glorie der Unantastbarkeit. Das Drama hat nicht sehr lange gedauert, weil mir dann plötzlich eine Uraltregel aus meiner Kindheit einfiel: Punktrechnung geht vor Strichrechnung.

Nachdem ich dieses Geheimnis gelüftet hatte, stimmten die Ergebnisse wieder überein.

Soweit ich mich erinnere, habe ich diesen meinen Irrtum mitnichten zugegeben, sondern mich irgendwie herausgewunden. Ich weiß nicht mehr genau wie. 'Aber ich hatte den Eindruck als wenn die Schüler auch danach nicht an meiner Unfehlbarkeit gezweifelt haben.

Später wurde mir zugetragen, mein ehemaliger Mathelehrer muss sich vor Schmerz gewunden haben, als er erfuhr, dass ich Mathe unterrichten durfte ...

Ich konnte ihn verstehen ...