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Wir unsere
Koffer verschwanden 3
Unser erster Mallorca-Urlaub begann heiß.
Mit wenig Mühe fanden wir den Bus zum Hotel und verstauten unsere beiden
Koffer im Gepäckraum. Da wir fast die ersten waren, befanden sie sich auch
an exponierter Stelle - alle anderen stellten ihr Gepäck davor.
Die Fahrt vom Flughafen zum Hotel dauerte fast
eine Stunde.
Man ahnt es schon - als wir
ausstiegen und ich die Koffer nehmen wollte, war der Gepäckraum ordentlich
geleert - einschließlich unserer beiden doch für den Urlaub notwendigen
Behälter. Einfach weg - wie davon gezaubert.
Der Busfahrer begriff sehr schnell,
dass da irgendetwas schief gegangen war. Und telefonierte. Dann erklärte er
mir Dinge auf spanisch und englisch und deutsch. Ich verstand, dass er sich
schon darum gekümmert hätte. Sagte es, stieg ein und verschwand. Ich habe
ihn nie wieder gesehen.
Die Stimmung meiner Frau und meiner
Tochter, von meiner ganz zu schweigen, kann sich jeder sicher vorstellen.
Wir gingen ins Hotel und versuchten
dort, unsere missliche Lage verständlich zu machen. Erst einmal vergeblich.
Die Neckermann-Reisebürofiliale gegenüber war geschlossen. Meine
Zigarettenschachtel leerte sich in Blitzeseile.
Dann kam der Chef, der hörte sich
das an, telefonierte auch und ließ uns im Regen stehen.
Dann, nach etwa einer Stunde,
erschien unsere deutsche Reisebegleitung. Die nahm die Sache erst einmal auf
und dann überhaupt nicht ernst. Die ersten Tränen flossen. Sie nahm es auch
später sehr locker. Für Lockerheit wurde sie bezahlt.
Inzwischen kamen Leute in die
Empfangshalle - von einer netten Frau erfuhren wir, dass sie schon seit
einer Woche auf ihren Koffer mit den wichtigsten Schuhen wartete.
Damit war alles klar: Die Spanier
betrieben organisierten Kofferraub. Luden schnell etwas aus, jemand
schleppte es dann davon, sicher ein schwunghafter Handel mit geraubter
Unter- und Oberwäsche und Badehosen.
Die Konsequenz war eindeutig: Abflug
in die Heimat, denn ohne Alles waren wir aufgeschmissen.
Kann sich jemand meine Erleichterung
vorstellen, als nach zweieinhalb Stunden plötzlich ein PKW vorfuhr und
jemand zwei schwarze Koffer auslud, auf denen Kober draufstand?
Seitdem weiß ich: Wer sicher gehen
will, der darf sich unter keinen Umständen auch nur eine Minute von seinen
Koffern trennen. Zur Not muss man eben im Gepäckraum mitfahren. |