| Wie ich bei der Armee kochte
Dass ich in der DDR nie richtig "gedient" habe, ist schon etwas
Besonderes. Ich musste nur ein halbes Jahr Lebenszeit opfern. Wie jeder
Söldner kann jeder davon Geschichten ohne Ende erzählen. Aber bestimmt
nicht diese:
Ich war - warum auch immer - bei den Richtfunkern in Döbeln gelandet.
Ein Trupp - vier Leute - bedienten einen Richtfunksender. Mit Mast,
Antenne und Russenröhren im Inneren des Wagens.
Also - ich koche ja gern. Wir hatten da so eine mobile Küche für
draußen. Mit Einsätzen für zwei Töpfe. Befeuert wurde das Ganze mit
Spiritus ... wie ein Bunsenbrenner. mit dem Stößel pumpen, aufdrehen,
dann fließt ein wenig Spiritus in die Pfanne unten, anbrennen, warten
bis die Flamme den Zufluss an weiterem Spiritus erhitzt hat (Physik) und
schon hat man eine prächtige, sozusagen transportable Wärmequelle.
Eigentlich eine einfache Sache.
Problem an diesem Tag: In der kleinen Pfanne wollte der Spiritus
trotz mehrfacher Versuche nicht anbrennen. Das war aber notwendig, damit
durch die Wärme der notwendige Druck zum sanften Nachfließen des
Spiritus erzeugt wurde. Streichholz, Streichholz, Streichholz ...
Vielleicht war es ja einfach nur Ungeschick, aber brennen musste das
Ganze. Darum habe ich die beiden Kocheinsätze
aus der Miniküche gehoben um mal von oben reinzuschauen. Natürlich war außer
den Streichhölzern nichts zu sehen.
Aber man ist ja schlau: Man könnte, wenn es von unten nicht geht, das
Ganze von oben probieren.
Also schnell noch einmal pumpen, den Hahn aufdrehen, damit genügend
Spiritus in der Pfanne ist, Streichholz anbrennen, darüber beugen und
die Flamme an den Tatort bringen.
Meine Mitsöldner habe sich gekringelt vor Begeisterung, als die
verpuffende Stichflamme ein wenig Feuerwerk machte. Aber nicht wegen
des Feuerwerks, sondern weil ich auch ein wenig brannte.
Augenbrauen weg, Kopfhaar im Stirnbereich völlig versengt.
Nase rötlich verkokelt jedoch mit nur wenig Schmerz.
Tja - wie
sieht man aus ohne Augenbrauen?
Das ist jetzt Jahre her - und nachgewachsen ...
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