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Als Kind durfte ich die "Bibelstunde" besuchen.
Das waren nette Stunden, in denen wir Abschnitte aus dem
alten und dem neuen Testament behandelten. Irgendwie muss ich heute
feststellen, dass mir davon nur zwei Dinge im Gedächtnis haften
geblieben sind.
Die bunten Bildchen, die es manchmal gab und ...
Meine Mutter gab mir immer Geld mit. Das musste ich
abliefern. Einmal aber, ich hatte vorher herumgespielt und war auch noch
zu spät gekommen, hatte ich das Geld verloren. Und da entschied ich,
einfach nicht hineinzugehen und das zu verschweigen.
Meine Mutter hat mich nie groß gefragt ... dieses eine
Mal aber doch. Klar, dass ich alles bejahte. Das war einfach und die
Geschichte für mich abgetan. Zwei Tage später aber kam sie nochmal auf
das Thema zurück.
"Julias Mutter hat mich gefragt, wo du gewesen bist."
Achdulieberherrschrecknocheins ... !
Julia - meine erste Freundin - die war meistens nicht
da, diesmal aber offensichtlich doch. Jetzt hätte ich natürlich die
einmalige Chance gehabt, alles zu beichten. Aber die kurze Reaktionszeit
verführte mich dazu, meinen Standpunkt aufrechtzuerhalten.
Natürlich haben sich die beiden Frauen wieder
unterhalten. "Mein Junge lügt nicht" "Meine Tochter lügt auch nicht."
Inzwischen zog eine gewisse frostige Atmosphäre ein.
Bis sich mein Vater einmischte. Ich kann mich an seine Worte nicht mehr
erinnern, wohl aber irgendwie an seinen prüfenden Blick. So
durchschauend und ernst. Er setzte auch so Kniffe ein wie: "Warst du an
der Mulde?" Das ist ein naher Fluss, ich hatte Flussverbot. "Nein ..."
"Bekannte haben dich aber gesehen!" Die Bekannten gab es natürlich
nicht, aber das wusste ich ja nicht ...
Es hat trotzdem noch ein, zwei Tage gedauert, bis ich
gestand: "Ich habe gelogen ..."
Dazwischen lagen furchtbare Stunden der Qual. |