Wie es davonfuhr ...
(3. Januar 2006)
Wir waren
2004 mit Freunden mal in Klingenthal. Das geht von Zwickau aus mit der
so genannten Vogtlandbahn. Das ist ein langer Triebwagen und der rollt
von Bahnhof zu Bahnhof durch die Gegend – dort, wo früher die Deutsche
Bahn Anspruch erhob.
Von Klingenthal Bahnhof bis zum
Aschberg ist es mit dem Bus eine zwanzig-Minuten-Reise. An der
Haltestelle dort steht ein Häuschen, in dem niemand sitzt. Geht man
daran vorbei, ist man in der Tschechei. Der Weg führt an ein paar
Verkaufsbuden entlang und dann gelangt man mit einem schönen Spaziergang
in einen Ort mit einer Verkaufstelle, einem nicht fertig werden
wollenden Touristenzentrum und schließlich in ein Restaurant, in dem man
– für deutsche Verhältnisse – vor allem billig essen kann. Schmecken tut
es sowieso.
Also, das Essen war nicht das Ziel,
auch nicht der Spaziergang, noch weniger die Buden. Einfach mal ein
Tagesausflug.
Auf dem Rückweg haben wir uns dann
doch an den Buden aufgehalten und geschaut und auch was gekauft … Das
Problem bestand darin, dass die Busse zum Bahnhof nicht immer fuhren.
Sondern nach Fahrplan und nur ab und zu.
Unsere beiden Frauen haben durch das
Geilshopping wohl übersehen, dass man auf die Uhr sehen muss, wenn man
in den Zubringerbus einsteigen will. Sie waren für einige Minuten nicht
auffindbar, dann war der Bus weg.
Wir wussten nicht, wann der nächste
Zug nach Zwickau zurückfuhr. Wir sahen nur, dass in der nächsten Stunde
kein weiterer Bus im Plan stand.
In unserer Verzweiflung sind wir zu
Fuß losgelaufen. Was sich im rollenden Gefährt als kurzweilige Sache
darstellte, erwies sich nun als eine Art Marathonstrecke. Sie nahm kein
Ende. Überhaupt keins. Unendlich sozusagen. Etwa auf der Hälfte habe ich
ein Haus entdeckt, vor dem ein Taxi stand. Ich bin rein und habe
gefragt. Der nette Mensch war begeistert und hat uns zum Bahnhof
gefahren. Wir haben einen Zug erwischt und sind glücklich zu Hause
angekommen – wir Männer nicht ohne eine gehörige Portion Unverständnis
über unsere Frauen.
Am 3. Januar 2006 haben wir diese
Fahrt wieder unternommen. Fürsorglich haben wir uns vorher genau
gemerkt, wann die Busse fuhren. Aber da es höchst winterlich war, waren
die Buden eh fast alle geschlossen.
Die Sache hätte glücklich enden
können, wenn ich in Falkenstein nicht mal kurz ausgestiegen wäre, um zu
sehen, ob wir auch im richtigen Zug saßen. Auf der Hinfahrt hatten wir
15 Minuten Pause. Auf der Rückfahrt nicht. Aber das merkte ich erst
jetzt …
Ich muss ein Schafsgesicht gezogen
haben, als ich die Tür öffnen wollte und sie plötzlich vor mir davonfuhr
…
Nur ein Hinweis: In Falkenstein
scheinen keine Leute mehr zu wohnen … Ich bin im Dunkeln eine Stunde in Schnee und
Eis spazieren gegangen mit der Erkenntnis, mehr brauche ich von dieser
Stadt nicht zu sehen.
Dann kam der nächste Zug. Was mich
sehr gewundert hat: Die kurze Fahrt von Falkenstein nach Zwickau war
teurer als das Tagesticket nach Klingenthal hin und zurück. Verstehe
einer die Finanzer ...
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