Die Festung
Home • Nach oben • Weihnachtsmaerchen • Mo'yin der Alill • Die Festung • Maschinenmenschen • Zaatar

 

Die Festung
(Auszug, unveröffentlicht)

    Das „Gourmet“ auf Hades wurde im allgemeinen Kaschemme genannt. Jedenfalls von den Piloten und denen, die sich dafür hielten. Aber auch in anderen Gruppen hielt sich diese Bezeichnung hartnäckig, während Besitzer Suleinan vehement und pausenlos dagegen ankämpfte.
    Die Raumkonstruktion Hades war für die meisten, die hinunter auf den gleichnamigen Planetoiden wollten, Zwischenstation.
    Obwohl Arkwaal zu denen gehörte, die am Stammtisch Platz nehmen durften, zog es ihn nicht dorthin. Er stand mit dem Rücken zu den Nischen. Beide Unterarme fest auf die polierte Platte gelegt, die Beine leicht gespreizt, den Rücken gekrümmt wie zum Sprung und das Glas in der derben Faust.
    Sein blondes Haar reichte bis weit in den Rücken, verlor sich dort in kleinen Locken.
    Er stand da und trank in winzigen Schlucken scharfen Vron, jenen unnachahmlichen Schnaps, der aus den Sporen der Vhyld-Ranke auf Konan destilliert wurde.
    Der gedämpfte Lärm schien an ihm abzuprallen, kaum, dass er sich bewegte, um am Glas zu nippen Nur manchmal wandte er den Kopf und ließ den Blick prüfend über die Anwesenden gleiten. Doch stets wandte er sich zurück zu seinem Glas.
    Er hatte es zur Hälfte geleert, als sich ein spindeldürrer Apsaler neben ihn drängte. So dicht, dass er ihn fast berührte Mit seinen Dreifingerhänden bedeutete er Suleinan, dass auch er Vron zu trinken wünsche.
    Suleinans Gesicht glänzte. Um den dicken Leib wand sich ein Schal, an dem er ständig die Hände abwischte. Suleinan war selten nüchtern, aber es hatte nie Beschwerden gegeben.
    "Er ist noch nicht hier“ , sagte der Apsaler nach dem ersten Schluck.
    Arkwaal knurrte.
    "Tut mir leid. Pai ist eigentlich pünktlich. Es sei denn, jemand hat ihm unterwegs eine Flasche spendiert."
    "Was ich nicht leiden kann", entgegnete Arkwaal ruhig, "sind Schwätzer, die einem die Zeit stehlen." Trotz des gelassenen Tones begann die etwa drei Zentimeter lange Narbe leicht zu zucken, die sich vom Nasenflügel bis zum Jochbein der linken Wange zog.
    "Es tut mir leid. Ich kann nichts dafür, ich habe es nicht versprochen.“
    Arkwaal starrte seinen Gegenüber stumm an.
    Der Apsaler schüttete den Rest des Vrons mit einem Ruck in den Hals. Er bestellte ein zweites Glas und sagte: "Ich verzichte auf zehn Prozent der Provision.“
    Arkwaal hüllte sich weiter in Schweigen.
    "Fünfzig Prozent."
    Um Arkwaals Brauen bildete sich eine scharfe Falte. Die Narbe begann zu glühen.
    Der Apsaler rückte um weniges von ihm ab. "Du hast von mir den Tipp, wo Pai sich häufig aufhält."
    "Ich will dir etwas sagen, Schwätzer. Von deiner Sorte habe ich genug kennen gelernt. Alle haben sich aufgeplustert. Sich wichtig getan. Haben Gott weiß welchen Unsinn erzählt. Und alle haben gelogen. Alle - bis auf den Letzten!“
   Er stieß mit dem gestreckten Zeigefinger nach dem Apsaler. Die Wucht die Arkwaal in den Stoß legte, hätte die dürre Gestalt vom Hocker geworfen, doch der wich mit einer schlangenartigen Bewegung aus.
    „Ich schwöre dir ..."
    Ein kleines Männlein, zerknittert und gebogen, zwängte sich zwischen beiden hindurch.  "Macht Platz  … macht Platz ...“ fistelte es, ohne sich wirklich darum zu kümmern, was Arkwaal und der Apsaler taten. Es steuerte den Platz am Ende der Theke an.
 Suleinan brachte unaufgefordert eine Flasche mit grünem, irisierendem Inhalt.
    „Pai ...“, flüsterte der Apsaler.
   Arkwaal schätzte den Alten auf weit über hundert Jahre. In den Falten seines Gesichtes hatten sich die Geschichten vieler Welten eingegraben. Sie befanden sich in ständiger Bewegung. Die Augen blickten trübe und wässrig auf die Flasche. An den Händen, die fast jedes Bindegewebe eingebüßt hatten, erhoben sich blaue Adern wie Geblrgszüge. Auf dem Kopf hockte widerborstig eine schwarze Mähne und aus den Ohrmuscheln hingen dicke Haarbündel. Pai?

    Auf der Suche nach der Festung hatte Arkwaal viele Namen gehört. Und vielen Spuren war er gefolgt. Alle waren ergebnislos verlaufen. Lediglich ein Name war immer wieder aufgetaucht. Aber es hatte lange gedauert, bis er jemanden fand, der ihm einen Hinweis gab, wo dieser Pai zu finden sei. Der Mann der in der Festung gewesen war. Dieser Alte?
   Er schob das Glas langsam von sich, war im Begriff aufzustehen, als er eine Stimme hinter sich vernahm, die aus dem allgemeinen Lärm heraustönte. Sie gehörte zu einem Mann, dessen Kopf bis auf einen Zopf geschoren war. Er war in eine dunkelbraune Kombination gehüllt, unter der sich Muskelstränge scharf abzeichneten. Dieser Mann steuerte direkt auf den Alten zu.
    Arkwaal hätte nicht definieren können, aus welchem Sektor der Galaxis der Fremde stammte.
    Die Gestalt setzte sich neben Pai und sprach leise auf ihn ein.
    Der schüttelte den Kopf. Der Fremde legte seine Pranke auf Pais Schulter und presste den Daumen über dem Schlüsselbein ins Fleisch.
    Pai begann zu zetern und sich zu winden. "Lass mich in Ruhe ... du sollst ... verdammt …!“
    Arkwaal kniff die Augen zusammen, rutschte vom Hocker und stand mit wenigen Schritten dort.
    "Belästigt er dich?", fragt er mit Blick auf den Alten.
    "Oh ...", meinte der Unbekannte und wischte sich über das Gesicht. „Ein Gernegroß, der lange keine …“
    Der erste Hieb schleuderte den Fremden beiseite. Mit einem Satz sprang Arkwaal hinterher. Sein Gegner straffte sich rasch, holte zum Schlag aus. Der zweite Hieb schmetterte ihn gegen die Wand. Der Körper sank in sich zusammen.
    Arkwaal ließ ihn liegen, ging zurück zu Pai und setzte sich neben ihn.
    Der Alte kicherte. "Ein guter Schlag, mein Sohn. Du hast den Veispal dort vor großem Ärger bewahrt. Er sollte dir dankbar sein."
   Arkwaal ging nicht darauf ein. "Ich möchte mit dir sprechen, Pai. Wenn du einverstanden bist.“
    "Sprich mein Sohn, sprich …", fistelte der Alte.
    ".Man erzählt, du hättest die Festung gefunden. Und …“
    Der Alte kreischte auf. "Ihr verdammten Aasgeier! Geht zur Hölle! Lasst mich in Ruhe! Ich will nichts mehr davon hören!“
    "Ich muss es wissen", versetzte Arkwaal eindringlich, fast bittend. „Ich muss …"
    "Verflucht sollt ihr sein, ihr …“
    "Hüte deine Zunge, Alter! Ich habe dich höflich gefragt.“
    Pai kroch auf einmal in sich zusammen, Sein Mund schloss sich zu einem schmalen Strich.
    Arkwaal nahm eine Münze und legte sie vor Pai auf die Platte. Der Alte blinzelte. Nach kurzer Zeit hatte sich das Geldstück zu einem kleinen Hügel vermehrt. Trotzdem dauerte es lange, bis Pai plötzlich sagte: "Du verschaffst mir eine Passage nach Dedron. Dafür bringe ich dich zur Festung.“

© Wolfram Kober, 1988/Februar 2003

 

 

START UEBER MICH INTERESSEN SCHREIBWELT - DER AUTOR SCIENCE FICTION WELT DER KOBER ZWICKAU-GUIDE SITEMAP IMPRESSUM