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Schüler schreiben für Schüler

Vorsicht Roboter! Nicht fluchen!

Eine große Anzahl von Einsendungen gab es zu den Anfängen der drei wissenschaftlich-phantastischen Erzählungen, die wir im Heft 2/68 veröffentlichten. Mit gutem Erfolg beteiligten sich einige Leser als Ko­operationspartner von Carlos Rasch; bei vielen gab es interessante Ideen, aber die literarische Bewältigung des Stoffes gelang ihnen noch nicht. Und einige - das müssen wir hier auch einmal sagen - stehen offensichtlich mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß, obwohl sie schon die 7., 8. und 9. Klasse besuchen. Ja, wer sich literarisch betätigen will, muß die Regeln seiner Muttersprache beherrschen; das ist Grundbedingung.

Als bester Kooperationspartner von Carlos Rasch hat sich Wolfram Kober - er schrieb schon ,,Luna 1" für uns - erwiesen. Er hat sich unserer Meinung nach am besten in die Idee des Schriftstellers Rasch vertieft, sogar versucht, dessen Stil beizubehalten und unseres Erachtens eine begründete, interessante Lösung gefunden. Wir veröffentlichen deshalb hier Wolframs Fortsetzung als die gelungenste. Folgende „Kooperationspartner" bekommen für ihre ansprechenden stilistischen Fortsetzungen, bzw. für interessante, originelle Ideen von uns einen Buchpreis:

1.  Lutz Straßberger, Leipzig
2.  Horst Walther, Erfurt
3.  Wolfram Munzert, Zwickau
4.  Wolfhardt Hofmann, Wengelsdorf
5.  Peter Schönborn, Dresden

Hier noch einmal die Kurzfassung des ersten Teils der Erzählung, die Carlos Rasch schrieb: Beim Bau eines Solar-Observatoriums auf der Venus bringt das Versorgungsschiff „Solaria" ein paar Dutzend neue Roboter und Tina Heideweg, eine Roboter-Kybernetikerin, mit.

Doch bald verschwindet eine der neuen Maschinen, kurz darauf zwei weitere, die zerschmolzen aufgefunden werden. Was ist geschehen? Tina knöpfte sich Frederic Bixby vor, der mit dem zuerst verschwundenen Roboter arbeitete. „Kennen Sie noch die drei Hauptregeln des Robotergesetzes?" drang sie in ihn ein. „Selbstverständlich! Regel eins: Kein Roboter darf menschliche Wesen verletzen. Regel zwei: Jeder Roboter muß von Menschen gegebene Befehle befolgen, falls dem nicht Regel eins entgegensteht „Danke, das genügt. Auf Ihrer Schicht hat sich etwas  Bestimmtes zugetragen, als Ihr Robot  verschwand.  Nun erzählen Sie uns das einmal", verlangte Tina. Frederic schwieg zunächst und grübelte vor sich hin. Endlich regte er sich und sprach: „Ich hatte Ärger mit ihm. Das habe ich doch eben lang und breit erklärt. In dieser Schicht nun kam mein Blechspezi zu mir und verlangte, eine bestimmte Druckprobe im Basiskreislauf der zweiten Kühl- und Klimastufe zu wiederholen. Immerhin war dieser Punkt des Arbeitsprogramms bereits vor drei Wochen als erledigt abgeschrieben worden. Schon das vierte Mal ärgerte er mich mit dieser Sache, und da hatte ich es einfach satt, ich sagte ihm. er solle..."

Hier endet die Vorlage und es beginnt mein Text:

„ sich zum Teufel scheren. Das kam mir plötzlich so herausgerutscht." Frederics Stimme klang entschuldigend.

„Und weiter?" forschte die Robot-Kybernetikerin „Der Roboter machte daraufhin auf der Stelle kehrt und wandte sich seinen Untersuchungen in der Glutwüste zu."

„Das heißt, er verließ die Station, um einem anderen Auftrag gerecht zu werden."

„Stimmt!" bestätigte Frederic. „Und dann haben wir ihn nie wieder gesehen."

Tina wurde nachdenklich „Wer arbeitete denn eigentlich mit den beiden zerschmolzenen Robotern zuletzt zusammen?"

„Ich glaube, es war nur Rolf Kruschinski. Er ist allerdings zur Zeit mit den Antithermwagen zum Mare Titana unterwegs." Tina nickte stumm. Wir kannten sie als eine genaue Frau und ahnten, dass sie vielleicht bereits jetzt einen wunden Punkt ins Auge faßte, den wir übersehen hatten.

Nach sieben Stunden Stationszeit kam die Expedition endlich zurück. Die Venus besitzt eine gebundene Rotation, das heißt, sie wendet der Sonne stets die gleiche Seite zu, so daß man hier schlecht die Zeit in Abschnitte teilen konnte; daher der Name ,,Stationszeit". Die Männer waren erschöpft. Die Hitze machte ihnen trotz der Antithermabschirmung schwer zu schaffen.

Tina Heideweg stürzte natürlich gleich auf Rolf Kruschinski zu, aber der winkte müde ab. „Lassen Sie mich erst einmal ein wenig ausruhen." Er lächelte. „Ich kann es mir schon denken. Sie kommen wegen dieser Blechungeheuer."

Endlich erzählte er in knappen Sätzen die Begebenheit. „Ich war mit beiden draußen, um neue Sandproben aus dem Teilchenfluß zu nehmen, Sie wissen, die fließenden Quicksande. Aber wir hatten die Arbeit noch gar nicht begonnen, da verweigerten sie meinen Befehl, nein, so kann man eigentlich schlecht sagen. Sie maßen die Sonnenstrahlung, als sähen sie diese Tätigkeit als wichtiger an. Allmählich wurde es mir zu bunt. Ich stand da, in der Gluthölle, konnte nicht weiter, und die Biester kontrollierten die Strahlung. Na, ich stehe da und warte, dann bin ich wütend geworden und habe ihnen ihre Tätigkeit strikt mit dem Dringlichkeitsindex untersagt."

„Na. . ?" Tinas Augen leuchteten.

„Sie mußten meinem Befehl gehorchen. Danach aber waren sie frei und konnten tun, was sie für richtig hielten. Beide verschwanden im Dunst." Tina wurde nachdenklich. Irgendwo mußte hier eine Gemeinsamkeit zwischen beiden Fällen vorliegen. Als erstes ließ sie sich die Beobachtungen des Solaria-Satelliten in bezug auf die Sonnentätigkeit geben. Er meldete eine Röntgenstrahlenverstärkung vor vier Tagen, die sich glücklicherweise wieder abgeschwächt hatte. Sonst war alles ganz normal. Tina rechnete kurz nach. Vor zwei Tagen fand man die beiden zusammengeschmolzenen Roboter - unweit voneinander entfernt. Und vor vier Tagen, ja, da arbeitete Rolf Kruschinski mit ihnen zusammen! Es mußte etwas mit der Röntgenstrahlung zu tun haben. Aber warum verweigerten sie anfänglich dessen Befehl? Weshalb wollte Frederic Bixbys Roboter sooft die Druckprobe im Basiskreislauf der Kühl- und Klimastufe wiederholen? Irgendwie glaubte die Kybernetikerin nicht an ein geistiges Versagen bei einem der Männer. Dazu hatte man die Besatzung der Außenstationen besonders sorgfältig ausgesucht. Sie nahm sich vor, eine ähnliche Situation wie die beiden vorangegangenen zu modellieren, um vielleicht hier die Lösung des Rätsels zu finden. Es galt, einer Maschine etwas zu verbieten, was dem Menschen unerklärlich und unnütz vorkam. Die Gelegenheit dazu bot sich schneller als sie annahm.

Wir erfuhren erst viel später von ihrem wagemutigen Versuch. An einem Abend, den die Station automatisch simulierte, um die Lebensgewohnheiten nicht zu unterbrechen, rief sie uns alle zusammen.

Zu Anfang beschrieb sie beide Situationen, unter deren Folgen die Stahlriesen ihre Arbeit vollkommen aufgaben.

„. . . ich ahnte instinktiv, daß es etwas mit den fixierten Roboterbefehlen und Gesetzen zu tun haben mußte", erzählte sie. „Und tatsächlich entdeckte ich eine Gemeinsamkeit. Alle drei Roboter handelten anfangs nach dem ersten Gesetz."

„Wieso?" rief Frederic plötzlich erstaunt dazwischen. „Der Roboter wollte mich weder verletzen noch mir Schaden zufügen. Und ich glaube", er wandte sich hilfesuchend an Rolf Kruschinski, „bei ihm kommt eine solche Möglichkeit auch nicht in Betracht."

„Stimmt!" gab Tina Heideweg unumwunden zu. „Aber man kann das erste auch ein wenig anders auslegen. Was wäre passiert, wenn der Druck der Klimaanlagen zu hoch gestiegen wäre? Der Roboter hielt es für seine Pflicht, um den Menschen zu schützen, nachzukontrollieren."

„Dazu sind die speziellen Apparaturen zuständig", rief einer aus unserer Mitte.

„Vier Augen sehen besser als zwei. Die kybernetischen Maschinen sind sehr empfindlich ausgelegt. Daher auch ihre Vorsicht. Nun aber weiter. Bei Rolf war es bestimmt die verstärkte Röntgenstrahlung. Auch hier hätte uns Gefahr drohen können, die die Roboter abwenden können. Hätten sie das aber nicht getan, so wäre das wiederum ein Verstoß gegen das erste Gesetz gewesen, weil sie uns schützen müssen. Die Antwort auf Frederics voreilige Absage oder eben auf dessen Fluchen war ein sofortiges Zurückziehen aus unserem Aktionsradius. Auf jeden Fall würde er sich nie mehr unter menschliche Kontrolle stellen, ganz einfach, weil wir selbst uns seinem unumstößlichen Befehl entgegenstellten, er aber nach dem zweiten Robotergesetz sich unseren Anweisungen nicht widersetzen darf. Ich nehme an, daß er in die Venuswüste wanderte und von nun ab jeder Begegnung ausweichen wird.

Bedeutend schlimmer war es bei Rolf Kruschinski. Das erste Gesetz mußte bei beiden Robotern besonders stark in Anspruch genommen worden sein, daher auch Rolfs Reaktion mit dem Dringlichkeitsindex, weil sie auf seinen Befehl nicht reagierten. Zweifellos waren es die Messungen und Berechnungen angesichts der Röntgenstrahlung. Nach Ablauf des Dringlichkeitsindexes entfernten sie sich. .und. .vernichteten sich selbst. Das kybernetische Gleichgewicht der Speicherkreise war zu stark gestört worden." Das anfängliche Gemurmel verstummte. „Warum taten sie es denn eigentlich nicht an Ort und Stelle?" fragte wieder Frederic.

„Ich glaube, das erste Gesetz wirkte noch eine Weile nach, bevor es sich vollends verlor, denn mit ihrer Selbstvernichtung brachten sie uns ja in Gefahr. . daher", antwortete die Kybernetikerin. „Nun - das Übel wird leicht abzustellen sein."

Sie lächelte verschmitzt, dann sagte sie: „Vorsicht Roboter! Nicht fluchen!"

Und wir begannen wie auf Kommando alle zu lachen. . .